






Die Freiwillige Feuerwehr Stahmeln
Wenn bei der Glocken Sturmesschlage
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
Könnte vielleicht so etwa das Geleitwort des Herrn Bürgermeisters und seines Rates, für die wackeren Männer unseres Ortes gelautet haben, die sich am 8. April des Jahres 1894 zusammenfanden, weil sie erkannt hatten, daß es dringend notwendig geworden ist, auf freiwilliger Grundlage, in uneigennütziger und selbstloser Weise bei Feuergefahr den Einwohnern gemäß unseres Leitwortes "Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr" zu helfen und sich dafür die notwendigen Sachkenntnisse anzueignen. Wie oft mag wohl der Schreckensruf "Feuer!" durch Stahmeln geschallt haben. Die Zeitspanne von 105 Jahren ist ein guter Grund sich zu erinnern. Ich möchte es vorwegnehmen: Eine lückenlose Abhandlung auf dem Gebiete des Brandgeschehens und anderer Katastrophen in unserer Gemeinde ist mir mangels fehlender Unterlagen leider nicht möglich. Hierzu trägt sicherlich zu einem nicht unerheblichen Maße der Umstand bei , daß zu DDR-Zeiten unter der Bürgermeisterschaft der Frau Zetzsche angeblich belanglose Gemeindeakten vernichtet wurden. Mit dem Grade der höchsten Wahrscheinlichkeit blieben davon Dokumente, die unsere Feuerwehr betrafen nicht verschont. Welch Duplizität der Ereignisse: Im 3.Reich verbrannte man Bücher, und in der Zeit der kommunistischen Herrschaft, vorwiegend in der Epoche, als diese kraftlos in sich zusammenbrach, vernichtete man Akten... |
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Doch zurück zur älteren Historie. Schon lange vor den 8. April 1894, dem Gründungstag unserer Freiwilligen Feuerwehr, gab es auf dem Gebiete der Bekämpfung von Bränden und Katastrophen Aktivitäten der Bewohner unseres Ortes. Aus dem Buch des verstorbenen Wahrener Lehrers Max Kohlmann "Wahren - Aus der Geschichte eines Dorfes" erfahren wir, daß nach dem Dreißigjährigen Krieg die Hälfte der Häuser von Stahmeln und Wahren in Schutt und Asche lagen und noch 1662 waren noch nicht alle wieder aufgebaut. Im Jahre 1698 brannte Wahren und ein Teil von Stahmeln ganz ab. Die eigentliche Geburtsstunde im damaligen Sinne lag im Jahr 1748, als für Wahren und Stahmeln eine gemeinsame Feuerspritze angeschafft wurde. Außerdem mußte damals jeder Einwohner einen Leder- oder Hanfeimer sowie eine lange Leiter besitzen. Aber auch die Ereignisse der Völkerschlacht bei Leipzig im Jahre 1813 machten vor unserem Ort - zumindest was das Brandgeschehen betraf - keinen Halt. Die letzte Brandkatastrophe größeren Ausmaßes auf dem Territorium unserer Gemeinde ereignete sich im Jahre 1875 - also nahezu 20 Jahre vor der Gründung der örtlichen Feuerwehr - als die Stahmelner Mühle total niederbrannte. Im Jahre 1895 trat die Freiwillige Feuerwehr Stahmeln dem Leipziger Feuerwehrverband bei, der dann jährlich eine Art TÜV-Bericht abforderte. Aus einem Prüfungsbericht vom 27. Oktober 1918 geht die vorhandene Ausrüstung der FFW Stahmeln hervor: Leiter der Feuerwehr: Hauptmann Hermann Stiehler Art und Stärke: Freiwillige Feuerwehr mit 17 Mann, Pflichtfeuerwehr mit 30 Mann Alarmierung: Nebelhorn Löschwasser: Fluß und Teich Spritzenhausbeleuchtung: Gas Beleuchtung auf der Fahrt: Petroleumlampe und Fackel Bekleidung: Tuchblusen, Lederhelme, Leibriemen, Technik: vierrädrige Wagenspritze mit Vorder- und Hintersitzen Mit dieser Ausrüstung schafften es die Männer, wie es im Bericht zusammengefaßt wird "Wasser bis 15 Meter Höhe, in 6 Minuten nach dem Alarm bei 100 Meter Anlauf. Das Wasser wurde ins Gefäß aus dem Brunnen gepumpt, da dasselbe für direkte Entnahme zu tief stand. Hauptprüfungsgrad: GUT ". Nach und nach sind die Handdruckspritzen und Hanfeimer, mit der die Helfer von damals ausrückten, moderner Technik gewichen und mithin sind auch die Aufgaben der Feuerwehr ungleich vielfältiger geworden. Es soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, daß laut Auskunft durch Herrn Eberhardt Lucke – einem Sohn des ehemaligen Mühlenbesitzers – dieser zu Beginn der 30er Jahre der Gemeinde und damit ihrer Freiwilligen Feuerwehr, ein für damalige Verhältnisse modernes Löschfahrzeug schenkte. Über die Zeit des Nationalsozialismus gibt es keinerlei Unterlagen . Nach dem zweiten Weltkrieg ereignete sich folgendes: Im Mai des Jahres 1947 hatte der Rat der Gemeinde auf Befehl Nr. 134 der Russischen Besatzungsmacht Meldung über die Einsatzbereitschaft und die vorhandenen Ausrüstungen der Freiwilligen Feuerwehr zu erstatten. Kurz nachdem der Gemeinderat die Meldung eingereicht hatte, wurde plötzlich ohne Vorwarnung das Löschfahrzeug abgeholt und die Feuerwehr behördlicherseits aufgelöst. Über diesen Umstand und seine Gründe ist viel gerätselt worden. Ich habe viele ältere Kameraden und auch Einwohner unseres Ortes danach befragt, leider konnte mir kein übereinstimmendes Motiv für diese Handlungsweise genannt werden. Wir stellen an dieser Stelle die Frage: Wer kann uns in dieser Angelegenheit genauere Informationen übermitteln? In der Adressenauswahl finden sie unsere Telefonnummer. Am 22.Augußt 1959 begann mit der Neugründung der Freiwilligen Feuerwehr Stahmeln einer neuer Abschnitt in der Geschichte ihres Bestehens. Dieser war nicht immer leicht, er wurde wie wohl bei jeder Feuerwehr durch Höhen und Tiefen geprägt. Die größte Schwierigkeit war wohl immer – das ist heute zum Teil leider auch noch so – das Personalproblem. Wir besaßen anfangs kein Löschfahrzeug, und welcher junge Mann wollte im Zeitalter der Technik vor 40 Jahren bei Übungen und Einsätzen den Tragkraftspritzenanhänger per Hand durch Stahmeln ziehen? Ein mehr als behelfsmäßiges Gerätehaus, ein Schulungsraum, der nicht einmal die Mindestanforderungen erfüllte und das Fehlen jeglicher sanitären Einrichtungen konnten uns wohl kaum beim Werben neuer Kameraden behilflich sein. Aber im Laufe der Zeit ging es mit kleinen Schritten voran. Große Verdienste beim Neuaufbau und der Ausbildung unserer Wehr erwarb sich unser leider schon im Alter von 44 Jahren verstorbener Kamerad Helmut Engelhardt . "Er ging für die Feuerwehr durchs Feuer", treffender kann er nicht charakterisiert werden. Durch sein Engagement konnten wir schon 3 Jahre nach der Neugründung unserer Wehr bei einem Leistungsvergleich der freiwilligen Feuerwehren des damaligen Wirkungsbereichs Schkeuditz unter 11 teilnehmenden Wehren den 1. Platz erreichen und beim darauffolgenden Ausscheid im Landkreis Leipzig einen beachtlichen 8. Platz belegen.
Ende der 60iger Jahre wurde auf dem Gutshof Stahmeln ein altes Stallgebäude zum Gerätehaus und Schulungsraum umgebaut, was bis zum heutigen Tage unser Domizil ist. Am 7.Oktober 1974 - zum 25 . Jahrestag der damaligen DDR – war es dann soweit: Die Freiwillige Feuerwehr Stahmeln bekam wieder ein Löschfahrzeug. Kurz nach der Wende stand die Wehr nahe dem aus, denn die Zustände im Gerätehaus waren unter aller Würde. Es gab keinerlei Sanitäre Anlagen, der Schulungsraum war ... , und die Mannschaft war überaltert. Im November 1991 fand mit dem Stahmelner Bürgermeister eine Versammlung statt, auf der diese Themen unmißverständlich angesprochen worden. Zum Glück trafen die dargelegten Probleme keine tauben Ohren. Unter Hinzuziehung von ABM-Kräften wurden die gröbsten Mängel beseitigt . Bereits vor Beendigung der Baumaßnahmen meldeten sich in einem kurzen Zeitraum 5 junge Leute zum Feuerwehrdienst, die nicht gleich von der Umgebung im Gerätehaus abgeschreckt worden waren. Dadurch wurde die Arbeitsfähigkeit der Freiwilligen Feuerwehr Stahmeln entscheidend verbessert. Unserem damaligen Bürgermeister Holger Peschel sei an dieser Stelle noch einmal Dank gesagt. Ich meine, daß sich auch all unsere Kameraden ein Dankeschön verdient haben, die im Dienste der Sicherheit der Einwohner unseres Ortes Mut und Einsatzfreude gezeigt haben und auch manchmal ihr eigenes Leben riskiert haben, um anderen zu helfen. Dank auch all den ehemaligen Mitstreitern die aus wegen ihres Alters, aus gesundheitlichen oder anderen Gründen ausgeschieden sind. Vergessen wollen wir auch nicht die Kameraden, die im Dienste der Feuerwehr standen, durch ihr persönliches Engagement für andere zum Nutzen des Gemeinwohls eintraten und heute leider nicht mehr unter uns sein können. Wir gedenken namentlich unserer verstorbenen Kameraden , die nach der Neugründung im Jahre 1959 das Bild unserer Wehr mit prägten: Kameradin Ilse Engelhardt, Kameraden Kurt Engelhardt, Helmut Engelhardt, Erich Marx, Richard Haring, Hermann Schwabe, Kurt Rockstroh, Volker Mende, Günter Liemert, Harry Haring, Otto Deutschmann und Klaus Sander. Wir werden sie immer in ehrendem Gedenken behalten.
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gegründet 1894 |
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